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Lübbecke bekommt einen neuen Wertstoffhof

Kreis schließt Einrichtung an der Benzstraße zum Jahresende | Nahtloser Übergang in Öffentlich-privater Partnerschaft

Lübbecke. Die schlechte Nachricht zuerst: Die kreiseigene Entsorgungswirtschaft Minden-Lübbecke (EMiL) wird ihren Wertstoffhof an der Benzstraße (ehemals Aussieker) zum Jahresende aufgeben. Grund hierfür sind der seit Jahren defizitäre Betrieb der Wertstoffhöfe generell sowie der flächenmäßig und baulich nicht mehr den Anforderungen entsprechende Standort. Die gute Nachricht: Für die Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbebetriebe im Lübbecker Land wird es auch weiterhin einen Wertstoffhof geben. Das stellt ein Vertrag sicher, den die Stadt Lübbecke mit der Wüppenhorst Entsorgungsbetriebe GmbH geschlossen hat.

Das Unternehmen mit Sitz in Stemwede hatte jüngst den Containerdienst der Lübbecker Firma Husemeyer samt Standort an der Borsigstraße übernommen. Bereits in den ersten Gesprächen mit der Stadtverwaltung eröffnete sich eine Perspektive, im Rahmen einer so genannten Drittbeauftragung den Betrieb auch für die Anlieferung privater Abfälle zu öffnen. 

Innerhalb weniger Wochen entstand ein Vertragswerk, das das bestehende Hol- und Bringsystem in Lübbecke sichert und das Angebot überdies um eine Infrastruktur für solche Abfälle erweitern könnte, die bislang nur am Entsorgungszentrum Pohlsche Heide angenommen wurden. So beabsichtigt der neue Betreiber auch schadstoffbelastetes A4-Holz wie behandelte Zäune, Bahnschwellen, Terrassendielen, Leistungsmasten und Bauelemente anzunehmen sowie Garten- und Kleinprodukte, Dach- und Fassadenplatten und Bodenbeläge. Die Genehmigung für die Annahme solcher Abfälle ist beantragt, steht allerdings noch aus. 

Nach Einschätzung der Firma Wüppenhorst sei der Zeitplan eine Herausforderung, zumal bauliche Veränderungen notwendig seien, um die vollständige Funktionalität eines Wertstoffhofs gewährleisten zu können. Dennoch sollen der Betrieb pünktlich zum Jahreswechsel aufgenommen und die Bauarbeiten im Verlauf des ersten Halbjahres abgeschlossen werden. „Wir müssen um ein wenig Geduld bitten, bis wir den gewohnten Komfort hergestellt haben“, so Kevin Herrmann, Leiter der Lübbecker Wüppenhorst-Niederlassung.

Zuvor hatte die EMiL seit längerem Überlegungen angestellt, ihren Betrieb in Lübbecke an einem anderen Standort fortzusetzen. Die Suche danach war jedoch erfolglos verlaufen. Auch ein übergangsweiser oder dauerhafter Weiterbetrieb an der Benzstraße wäre zwar grundsätzlich möglich gewesen, allerdings hätte die Stadt dafür einen finanziellen Ausgleich des Defizits leisten sollen. Dieses Angebot der EMiL hat die Stadt nach kurzer interner Beratung abgelehnt, zumal ein Verlustausgleich zwingend zu einem erheblichen Anstieg der Abfallgebühren in Lübbecke geführt hätte.

Der nun beschrittene Weg einer Drittbeauftragung belastet den städtischen Haushalt und auch die Gebühren nicht. Der Betreiber des neuen Wertstoffhofs trägt die betrieblichen Kosten und das wirtschaftliche Risiko selbst und erzielt seine Einnahmen insbesondere über die Annahmeentgelte. Er kontrolliert die angelieferten Abfälle und sammelt die zugelassenen Materialien getrennt entsprechend der gesetzlich geregelten Entsorgungswege. Dazu gehören geeignete Container, eine ordnungsgemäße Lagerung und die Dokumentation der Abfallmengen.

Weiterhin kostenlos wird laut Vertrag die Anlieferung von Papier, Pappe und Kartonagen sein, darüber hinaus Elektroaltgeräte sowie Altmetalle. Möglicherweise kostenpflichtig werden dagegen unter anderem Sperrmüll, Altholz, Bauschutt und Grünabfälle sein, für die der Betreiber eine marktfähige Preisgestaltung vornehmen muss.

Im Vertrag sind Mindestöffnungszeiten vereinbart, um die Entsorgung an zunächst sechs Tagen in der Woche sicherzustellen: montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr sowie samstags von 9 bis 13 Uhr. Sollte sich im Betrieb herausstellen, dass ein Tag nicht gut angenommen wird, besteht die Option auf einen „Schließtag“, der jedoch nicht am Samstag sein kann. Das soll die Anlieferung insbesondere für Berufstätige erleichtern.

Philipp Knappmeyer äußerte sich im Rahmen der Ratssitzung erleichtert über den gelungenen Vertragsschluss. „Für uns war es wichtig, dieses Angebot für unsere Bürgerschaft und unsere Gewerbetreibenden zu erhalten, ohne den Gebührenzahler zur Kasse bitten zu müssen. Wir hatten in der EMiL über Jahre einen verlässlichen Partner und sind dankbar, mit der Firma Wüppenhorst eine ausgesprochen gesprächs- und kompromissbereite Nachfolge gefunden zu haben“, so der Bürgermeister.

Für die Mitarbeiterschaft der EMiL kommt das Aus des Standorts Lübbecke nicht überraschend. Sie waren bereits seit einiger Zeit von der Geschäftsführung darüber informiert worden. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Für alle Mitarbeiter gebe es Aufgaben an anderen Standorten, heißt es.