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16 Prozent weniger sind 16 Prozent zu wenig

Aktionstag zum „Equal Pay Day“ in der Lübbecker Innenstadt

Lübbecke. Heute ist „Equal Pay Day“ – der Tag, bis zu dem Frauen in Deutschland bei gesamtgesellschaftlicher Betrachtung rechnerisch unentgeltlich arbeiten, weil sie weniger verdienen als Männer. Aus diesem Anlass wird es zwischen 14 und 16 Uhr in der Lübbecker Innenstadt einen Informationsstand der Gleichstellungsbeauftragten aus Lübbecke und Rahden und des Sozialverbandes im Kreis Minden-Lübbecke geben. Darüber hinaus beteiligen sich auch verschiedene Händler in der Lübbecker Innenstadt mit Schaufensterdekorationen und Rabattaktionen.

Unter dem Motto „Equal Pay Every Day“ rückt die Kampagne in den Fokus, wie sich die geschlechterspezifische Lohnlücke im Laufe des Lebens entwickelt und auswirkt. Vom Erlernen von Rollenbildern in Kindheit und Jugend über die Berufswahl und die Familiengründung bis zur Rente und spezifisch weiblicher Altersarmut: Anhand der verschiedenen Lebensabschnitte wird deutlich, wie gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Strukturen Entgeltgleichheit erschweren und mit welchen Stellschrauben es gelingen kann, das zu ändern – nicht nur punktuell, sondern an jedem Tag.

Das Augenmerk allein auf rechnerische Gehaltsunterschiede zu legen, würde in mancherlei Hinsicht zu kurz greifen. Vielmehr beruht das Gender-Pay-Gap (GPG), die geschlechterspezifische Lohnlücke zwischen Frauen und Männern, zu einem erheblichen Teil auf Lebensumständen, an deren geschlechtergerechter Gestaltung auch auf kommunaler Ebene tatsächlich gearbeitet werden kann. So zielen etwa die Bemühungen der Stadt Lübbecke um eine gut ausgestattete und kostenlose Bildungs– und Betreuungslandschaft darauf ab, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

Das „unbereinigte“ GPG, bei dem in die Berechnung des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes nicht nur Angaben von Vollzeitbeschäftigten einfließen, sondern auch Verdienste von Arbeitnehmern in (Alters-)Teilzeit, von geringfügig Beschäftigten sowie Auszubildenden und Praktikanten berücksichtigt werden, liegt in Deutschland aktuell bei rund 16 Prozent. Und selbst das um die strukturellen Unterschiede (Ausstattungseffekte) wie Ausbildungsgrad, Beruf, Qualifikation, Arbeitserfahrung und ähnlichen „bereinigte“ Gender-Pay-Gap beträgt immer noch zwei bis sieben Prozent.